Schmetterlings-Schwestern Lesung


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>>Guten Tag, die Damen. <<

>>guten Tag, Herr Blumenberg. <<

>>Hoffentlich störe ich sie nicht. <<

>>Nein, nein antwortete Barbara, wir sind gleich fertig. <<

>>Hättest du dann einen Augenblick Zeit für mich? <<

 

Philipp schaute sie mit seinen durchdringenden Augen an, den Mund zu einem schelmischen Grinsen verzogen. Da war es wieder, dieses wunderbare Gefühl, das Philipp ihr entgegenbrachte und welches ihre Körperhaare zu Berge stehen ließ.

 

>>Ja selbstverständlich, ich komme gleich in dein Büro. <<

>>Was kann ich für dich tun mein Lieber? <<

>>Babs, ich habe am Samstagabend Robert Malik zu mir in die Stadtwohnung eingeladen. Ich würde mich freuen, wenn du dabei sein könntest. <<

 

Barbara fühlte sich geschmeichelt, wenn Philipp sie zu solchen Anlässen in seine Wohnung einlud. Sie ahnte, warum Philipp Malik eingeladen hatte. Philipp wollte seinen kleinen Verlag um die Sparte Kriminalromane erweitern. Sie verriet ihm allerdings nicht, dass sie seine Absichten kannte. Es ging hierbei nicht um irgendwelche Romane, die von Kinderschändern oder blutrünstigen Tätern handelten, nein, es waren ausgesuchte Romane, die auf Intelligenz aufgebaut waren, und für dieses Unterfangen kam nur einer in Frage, Robert Malik.

 

>>Ja, selbstverständlich komme ich Philipp. Lisa ist aber an dem Wochenende da und ich kann sie nicht zu Klaus und Britta bringen, da die beiden in New York sind. <<

>>Ich bitte dich Babs, es ist doch wohl selbstverständlich, dass du Lisa mitbringst. Immerhin kennen wir uns lange genug und sie ist mir ans Herz gewachsen. <<

 

Sie hatte schon häufiger in der Stadtwohnung übernachtet, sodass ihr die Örtlichkeit nicht fremd war.

 

>>Bringt euch beiden Garderobe mit, denn es wird voraussichtlich spät und wir übernachten in der Wohnung. Soll ich dich von dem Fahrer abholen lassen, Babs. <<

>>Nein, das ist nicht nötig, Philipp.

>>Ich nehme meinen Wagen, dann kann ich am nächsten Morgen direkt in die Redaktion. <<

>>Okay Malik wird mit seiner Frau so gegen 20 Uhr erscheinen. Mein Fahrer holt ihn vom Hotel ab. Wir können uns also am Samstag um 13 Uhr in der Wohnung treffen, um 19,30 kommt die Catering-Firma und stellt das Personal und das Zubehör. Außerdem habe ich zwei Köche der Extraklasse engagiert, die mir beim Zubereiten des Essens helfen werden. Sie stammen aus den besten Restaurants der Stadt und werden mir keine Schande machen. Nach dem Essen stelle ich mir einen angenehmen Abend vor dem Kamin vor. Ein wenig Small Talk. Du wirst dich mit Frau Malik unterhalten und ich werde versuchen, Robert mein Angebot schmackhaft zu machen. Malik hat seine Frau übrigens in der Türkei kennengelernt und soweit ich das beurteilen kann, ist sie auch Türkin. Wir sollten also auf ihre Religion Rücksicht nehmen. <<

Barbara und Lisa fuhren im offenen Porsche die Elbchaussee entlang in Richtung Marmstorf, wo sich Philipps Penthouse befand. Lisa freute sich auf ein Treffen mit Philipp, hatte sie ihn doch 14 Tage schon nicht mehr gesehen. Sie fühlte sich zu ihm hingezogen, nicht nur weil er ihr jeden Wunsch von den Augen ablas, sondern auch, weil er ihr ein netter und sympathischer Gesprächspartner war. Philipp behandelte sie wie eine erwachsene Frau und das war ein echter Freundschaftsbeweis. Ein Freund, wie man ihn sich nur wünschen kann. Lisa hatte im Porsche die Stereoanlage aufgedreht, sodass ein Gespräch mit Barbara nicht zustande kam.

 

Die Penthouse Wohnung lag in einem vierstöckigen Gebäude im Bauhaus Stil, umringt von einem zwei Hektar großen Grundstück mit Rasen, altem Baumbestand und einem Swimming Pool. Das ganze Gelände war umring von einer großen weißen Mauer, die mittig durch ein elektrisches Tor geöffnet werden konnte. Barbara hatte eine Fernbedienung für das Tor und die Tiefgarage.

 

>>Das wird bestimmt ein ganz tolles Wochenende << sagte Lisa.

>>Ich fahre morgen schon sehr früh zum Verlag, fährst du mit dem Bus zurück in die Stadt, Lisa? <<

 

Lisa nahm das zur Kenntnis, ohne darauf zu antworten. Sie war zufrieden damit, dass sie heute noch Philipp sah. In der Wohnung angekommen, dessen Tür mit einem Sicherheitsmechanismus verschlossen war, steuerte Lisa direkt auf eines der Zimmer zu, in denen sie früher schon häufiger übernachtet hatte.

 

Philipp war bereits in der Küche! Erste Vorbereitungen mussten vorgenommen werden. >>Du weißt, ich bin eine erbärmliche Köchin<< sagte Babara, mehr entschuldigend.

Aber Philipp kam zu ihr, gab erst ihr einen Kuss auf beide Wangen und dann Lisa einen Kuss auf den Mund, den man aber nicht fehlzuinterpretieren hatte. Beide fühlten sich eben seelisch verwandt und so verhielten sie sich auch, frei und ungezwungen.

 

>>Macht es euch gemütlich<< lautete Philipps Einlassung.

>>Ich habe es mir einfach nicht nehmen lassen, heute für unsere Gäste selber zu kochen. Es ist der Respekt vor meinem Gegenüber. Einige Köche werden mir bei den Vorbereitungen helfen. Du weißt Babs, ich bin ein sehr guter Koch und es wird mein Beitrag zum Gelingen dieses abends sein. <<

>>Du kriegst alles hin<< rief Lisa und tobte locker durch die Wohnung.

>>Was wirst du uns zaubern Philipp<< fragte Babs?

>>Lass dich bitte überraschen, meine Liebe. <<

Barbara hatte ein Gefühl des Wohlgefallens, wenn sie mit Philipp hier sein durfte. Die Stadtwohnung, wo Philipp hin- und wieder auch einmal Schriftsteller oder Geschäftspartner übernachten ließ, war sehr geschmackvoll eingerichtet und bot jeden Luxus, den man sich wünschen konnte. Auf ca. 268 qm und eines Rasenanteils mit Poul von ca. 1.100 qm, zudem der alte Baumbestand. Die Wohnung selber hatte fünf unterschiedlich große Zimmer, drei Badzimmer, ein geräumiges Wohnzimmer mit einem offenen Kamin und einer bis aufs Feinste ausgerichteten Küche.

Philipp war ein Meisterkoch und ein Kenner der unterschiedlichsten Kochkulturen.

Neben dem Wohnzimmer befand sich eine geräumige Terrasse, die von der Decke bis zum Boden mit einer Glasfront versehen war, sich in den Boden versenken ließ und somit in schönen Monaten des Jahres mehr von dem Wohnzimmer preisgab. Philipp selber übernachtete lieber in dem Kloster, das er seinerzeit erworben hatte und zu seinem Zuhause umgebaut hatte. In der Nähe befand sich der Gutshof, den er von seiner Großmutter geerbt hatte. Er hatte ihn nach ihrem Tod und mit seinem Talent für das Schöne und exclusive wieder hergerichtet.

 

Philipp hatte Lisa versprochen, dass sie heute die Gastgeberin spielen durfte. Lisa war maßlos begeistert und sass in ihrem Zimmer, ein gemütlicher Raum mit schrägen Wänden und mit einem halbrunden Fenster, von wo aus sie die vorbeiziehenden Schiffe erkennen konnte. Ihr weißes Taftkleid, das Philipp mit ihr einmal gekauft hatte, hing sauber gereinigt am Schrank. Sie liebte dieses Kleid, weil sie glaubte, nur darin repräsentieren zu können. Philipp würde heute Abend mit ihr und ihrer Leistung zufrieden sein. Sie würde den Empfang als perfekte Zeremonie darstellen.

 

Wie ein Magier arbeitete Philipp in seiner Küche und prüfte Gemüse und Fleisch, sowie die verschiedenen Sorten Wein, die angeliefert worden waren. Seinen Mitarbeiter fragte er, ob die neuen Gewürze bereits da seinen, was dieser bejahte. Mit der gebotenen Gelassenheit nahm er die für ihn maßgeschneiderte burgunderrote Kochjacke vom Bügel und zog sie an.

 

>>Uhrenvergleich<< sagte er zu seinen Mitarbeitern.

>>Es ist jetzt präzise 13 Uhr. Wir beginnen! <<

 

Den gereinigten Lammrücken legte Philipp in eine dafür vorgesehene Schale aus Porzellan, während die anderen Köche damit beschäftigt waren, das Gemüse zu putzen und zu verarbeiten. Von allen Seiten wurde das Tier nun mit Salz und Pfeffer eingerieben. Das Olivenöl wurde in einem Bräter erhitzt und das Fleisch darin rund herum gut angebraten. Lorbeerblätter, Chilichote, Zimt- und Zitronenschale wurden in einen kleinen Teebeutel gegeben und verschlossen. Zusammen mit den Charlotten und den Knoblauchzehen wurde der Beutel zum Lamm gegeben und das Gefäß mit Milch angefüllt.

 

>>Sie kümmern sich bitte weiter um das Gemüse. Das Lamm lassen wir etwa bis 17 Uhr ruhen, dann bei ca. 220 Grad im unteren Drittel des Backofens bei 30 Minuten garen lassen. Danach bei 160 Grad weitere zwei Stunden garen lassen und immer wieder mit Milch begießen.<<

 

Philipp gab eine fantastische Figur ab in all dem, was er tat.

 

>>Als Salat reichen wir einen Rote-Beete-Salat mit Ziegenkäse. Als Dessert gibt es ein Lavendel Pannacotta.<<

Er war ein Alfamann, dem alle folgten und dem alles zu gelingen schien. Die Stimme war dabei weder aufgeregt noch laut. Sie hatte einen gleichbleibenden guten Klang, ohne dabei langweilig zu sein.

>>Als Vorspeise reichen wir ein kaltes Roastbeef.<<

 

Er schob eine Pfanne mit Butterschmalz auf den Herd und würzte das Fleisch mit Pfeffer und Salz. Seine Hände schienen mit diesen Aufgaben so vertraut zu sein, dass man hätte glauben können, sie hätten ein Eigenleben entwickelt. Dann briet er das Fleisch von allen Seiten leicht an und legte es in einen Bräter, den er bei 80 Grad in den vorgeheizten Backofen schob. Das Thermometer stieß er in die Mitte des Fleisches und erklärte einem der dabei stehenden Köche, dass das Fleisch Philipps Vorstellungen von medium entspreche, wenn das Thermometer in der Mitte eine Temperatur von 56 °C erreiche und das auf eine Dauer von mindestens 5 Minuten. Die ganze Prozedur wird ca. 4 Stunden in Anspruch nehmen, so dass das Essen bei Eintreffen der Gäste delikat sein sollte.

 

>>Ich werde mich noch zurückziehen.<<

 

Er zog seine maßgeschneiderte Jacke aus und warf sie einem der Köche freundschaftlich entgegen.

Philipp zog sich in seinen Privatraum zurück, der allerdings nur mit einer Verbindungstür von Barbara getrennt war. Er zog sich aus und wollte unter die Dusche, als er von nebenan Geplätscher hörte. Er ließ sich dadurch nicht beeindrucken und folgte seinem eigenen Willen, stand wohl eine Viertelstunde unter der Dusche, mal angenehm warm und dann wieder radikal kalt.

 

Er wollte diesen verdammten hochnäsigen Schriftsteller unter Vertrag bekommen und sei es, über seine türkische Frau, über die er im Vorfeld schon hat recherchieren lassen. Noch in Gedanken versunken betrat er seine Räumlichkeiten, ohne zu merken, dass Barbara vor ihm stand, nur mit einem Slip bekleidet.

 

>>Bitte fass mich an Philipp, ich habe so lange darauf gewartet.<<

>>Im Moment habe ich ander Dinge im Kopf<< sagte er mit gewohnter Stimmhaltung, ohne unhöflich zu wirken.

>>Bitte flehte Babs tu es, tu es nur einmal, du weißt, was mir das bedeutet.<<

Babs dreht sich um, zog den Slip bis auf die Oberschenkel herunter und beugte sich knieend auf das Bett.

>>Bitte leck mich, Philipp.<<

Philipp kniete sich hinter Barbara, sodass er ihr Geschlecht vor seinem Gesicht hatte. In regelmäßiger Geschwindigkeit leckte er Anus und Vagina, ließ seine Zähne an der Klitoris vorbeigleiten bis Barbara mit Tränen in den Augen sich ihrem Höhepunkt ergab.

 

>>Danke Philipp!<<

>>Es ist gut meine Liebe, du hast es dir verdient. Bitte sei mir heut abend eine gute Gastgeberin. <<

>>Das werde ich, du kannst dich darauf verlassen.<<

>>Nichts anderes habe ich von dir erwartet, Babs.<<

Barbara war so abhängig von ihm, wie eine Heroinsüchtige, die Stoff brauchte. Jedes Mal wenn Philipp sie anfasste erfuhr sie eine nicht zu beschreibende Gefühlswallung.

 

Als Lisa Babaras Zimmer betrat, sass diese nur mit einem Slip bekleidet auf einem gepolsterten Hocker und versuchte ihr schönes, blondes Haar mit Föhn und Bürste zu bändigen. Als sie in den Spiegel schaute sah sie, wie Philipp sich ihrem Zimmer näherte.

Er trug eine Smokinghose und ein Smokinghemd und bat eine der Damen um Hilfe.

>>Wer von euch kann mir diese Manschettenknöpfe ins Hemd machen?<<

Barbara lachte zufrieden vor sich hin, als Lisa sich freiwillig anbot und das bei den gestärkten Hemden auch noch mit großer Bravour fertig bekam.

>>Danke meine kleine Gastgeberin, du siehst einfach entzückend aus in dem tollen Kleid. Ich bin davon überzeugt, dass du deine Rolle mit großem Können spielen wirst und wenn wir diesen Kriminalisten dann unter Vertrag bekommen, dann ist das sicherlich auch deinem Eifer zuzuschreiben. <<

 

>>Onkel Philipp, darf ich denn heute abend etwas länger aufbleiben.<<

>>Wenn deine Mutter nichts dagegen hat, dann habe ich auch nichts dagegen.<<

>>Darf ich auch mal einen Schluck Wein trinken?<<

>>Auch hier sage ich dir, Lisa, wenn deine Mutter das billigt, werde ich nicht nein sagen, denn du bist heute abend einer dieser Ehrengäste. Es geht nicht nur darum, den Schriftsteller und seine Frau unter Vertrag zu kriegen, sondern ich würde mich freuen, wenn du eines Tages – natürlich nur wenn du keine andern Pläne hast – in meinen kleinen Verlag eintreten wirst. Du wirst bald 15 Jahre alt – es wird also Zeit, sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Und ich würde mich freuen Lisa, wenn ich diese Gedanken dann lenken dürfte und zwar so, dass du schulisch genau in diese Richtung ausgebildet wirst. Solltest du dich dagegen entscheiden ist mir das natürlich nicht egal, aber ich würde auch das akzeptieren und dich fördern, auch wenn du den Beruf deines Vaters einschlagen würdest. Was immer geschieht und was immer du entscheidest, du wirst in mir einen väterlichen Freund haben. Denke immer daran.<<

 

>>Danke Onkel Philipp.<< Lisa kletterte auf das Bett und gab Philipp einen leichten Kuss auf die Schläfe. Philipp ging in seinen Teil des Raumes um sich fertig anzukleiden.

 

Barbara folgt ihm, nachdem Lisa das Zimmer wieder verlassen hatte.

>>Ist das dein Ernst, << fragte Barbara Philipp?

>>Meinst du ich scherze mit solchen Sachen?<<

>>Dann ist das für Lisa heute die Feuerprobe!<<

>>Nein mein Schatz, sie wird die Kronprinzession sein, ob sie das nun will oder nicht. Junge Menschen sind leicht für etwas zu begeistern und ebenso leicht zu führen. Es gibt hochgradige Schulen in aller Welt, die ein Managemetwissen, wie Lisa es braucht, ihr vermitteln können. Lisa ist die richtige Person um späterhin meine Unternehmungen zu leiten. Ich beobachte sie schon lange und ihr Verhalten ist zielstrebig und in jeder Beziehung einwandfrei. <<

>>Was sagen deine Kinder zu diesem Plan?<<

>>Sie sind nicht meine Kinder. Meine Frau hat sie mit in die Ehe gebracht, seitdem leben sie von meinem Geld und lassen den lieben Gott einen schönen Tag sein.

Nie war es wichtiger als jetzt eine Stimme wie einen Verlag zu haben, einer der Printmedien vertreibt, einer der Fernsehsender betreibt eben einer, der Meinungen macht.<<

 

Setz dich einmal hin Babara, ich versuche dir das in Ruhe zu erklären. Philipp wurde plötzlich sehr ernst und nachdenklich.

 

>>Die Welt ist in einem Umbruch, nicht irgendwann oder irgendwo, nein hier und jetzt und zwar mit einer Geschwindigkeit, wie sie nie zuvor dagewesen ist. Der Übergang von einer Wirtschaftsform in eine andere ist mit Zeiten der Industrialisierung nicht mehr vergleichbar. Die Zukunft gehört virtuellen Gütern und dem Zugriff darauf. Aus Märkten formen sich Netzwerke. Es wird nicht nur Eigentum, sondern auch Verfügbarkeit angestrebt. Ein ganz neuer Kapitalismus entsteht mit neuen Spielregeln und einer neuen Sprache. Daneben entwickelt sich eine neue Kultur mit neuen Ressourcen. Es geht in Zukunft nicht mehr darum, von einem Herrn Malik ein Buch zu kaufen und bitte, bitte für das Nächste zu machen. Es geht darum, diese Menschen zu dominieren, sie auch ausreichend am Erfolg partizipieren zu lassen. Die Produkte müssen anders produziert und anders vermarktet werden, nämlich über  digitale Netzwerke, damit wir dauerhaft damit arbeiten können.<<

>>Ganz davon abgesehen, bin ich der Auffassung, dass Lisa nicht die Tochter von Klaus ist, sondern meine. Sie ist mir in allem so ähnlich, das das nur so sein kann. Sollte sie trotz alle dem Klaus Tochter sein, würde ich alles daran setzen, Lisa zu adoptiern.<<

 

Es schellte an der Tür und Lisa ging an die Sicherheitsanlage.

 

>>Es sind die Kellnerinnen, die du für heute Abend bestellt hast.<<

>>Lass sie bitte rein Lisa und zeig ihnen die Küche.<<

 

Als es noch einmal schellte, dachte Lisa an einen Nachkömmling.

 

>>Was bist du denn für eine reizende junge Dame,<< frage eine Männerstimme.

Lisa war erschrocken und ihr fehlte die Stimme.

>>Guten Abend Herr Malik, ich nehme an, das ist ihre reizende Gattin.<<

Ein Augenblick verging in denen alle sprachlos zu sein schienen.

>>Ja, bitte entschuldigen sie, dass ich so unhöflich war meine Frau nicht vorzustellen<< rettete sich Malik aus der Situation.

>>Aber ich bitte sie, wir wollen uns doch ganz ungezwungen unterhalten.<<

>>Die junge Dame, die sie hereingebeten hat ist übrigens Lisa, die Tochter von Barbara Brunner. Barbara ist die Chefredakteurin unserer umsatzstärksten Zeitschrift „Reich und schön“. Ein modischer und gesellschaftlicher Maßstab für die Region.<<

 

Lisa, die von dem Auftritt der Maliks so überrascht war, fühlte sich durch das plötzliche Erscheinen von Philipp gerettet und beide zwinkerten sich zu.

Philipp ließ sich nichts aus der Hand nehmen. Er beherrschte wie immer mit ruhiger sachter Stimme die Situation.

>>Wir haben noch ein wenig Zeit, bevor das Essen aufgetragen wird.<<

>>Darf ich ihnen einen Aperitif reichen lassen?<<

>>Als alkoholfreie Variante würde ich einen Caipirinha empfehlen, als alkoholische Alternative dazu ein Lebenswasser mit dem Namen Whiskey. Ich habe einen 16 Jahre alten Malt Whiskey - aus gemälzter Gerste.<<

>>Ich hätte gerne den Whiskey<< sagte Frau Malik

>>und ich auch<< rief Malik hinterher, als hätte er einen Entschluss gefasst, der Lebenswichtig für ihn sei.

>>Und du Barbara?<<

>>Ich nehme auch dieses Lebenswasser.<<

>>Ihr werdet es nicht bereuen, das verspreche ich euch,<< sagte Philipp.

>>Unserer Lisa würde ich allerdings mit Verlaub << und er kniff ihr dabei ein Auge zu << einen Orangensaft oder einen Caipirinha anbieten.<<

Lisa entschied sich für das Getränk mit dem spanischen Namen.

 

>>Ich bin ein wenig verunsichert<< sagte Philipp, sich an Frau Malik gewandt.

>>Da ich unser Treffen besonders perfekt gestalten wollte habe ich mich natürlich nach ihren Gewohnheiten erkundigt.<<

>>Sie meinen, sie haben in Erfahrung bringen wollen, welche Landsmännin ich bin, ob ich Alkohol trinke, gegen Mekka bete usw.<<

>>Ja, so in etwa!<<

>>Jetzt sind sie ganz erstaunt, dass sie eine Frau türkischer Abstammung vor sich haben, die Whiskey trinkt und auch sonst so ziemlich alles isst.<<

>>Ja, in der Tat,so habe ich mir das ausgemalt und es dabei besonders gut machen wollen.<< >>Und damit haben sie das Klischee bedient, das von vielen anderen Menschen auch bedient wird. Es ist in der Tat so, dass ich in Deutschland geboren wurde, als Tochter eines Gastarbeiters, und das ich in Deutschland zur Schule gegangen bin und dort auch studiert habe. Der türkischen Sprache bin ich kaum mächtig, dafür aber umso besser der Deutschen.<<

 

Malik bekam einen Lachkrampf und auch Philipp und Barbara schlossen sich diesem Lachen an.

 

>>Bitte verzeihen sie mir, Frau Malik. Ich wollte in keinster Weise unhöflich sein. Mir war klar, dass sie im Islam keinen Alkohol trinken. Aus diesem Grunde habe ich für sie frisch gepressten Orangensaft machen lassen.<<

 

>>Den trinke ich morgens zum Frühstück,<< sagte Frau Malik, wie viele andere Menschen auch. Und wieder lachten alle und das Eis schien gebrochen zu sein.

>>Um denn die Blamage vollends zu machen habe ich das Fleisch bei einem der stadtbekannten türkischen Metzger gekauft. Er, der Metzger sagte mir, die Zubereitung sei nicht ganz so wichtig wie bei anderem Fleisch. Das liegt am dominanten Geschmack des Lammfleisches.

Ich erwiderte ihm, mein lieber Freund, ich koche heute für einen besonderen Freund und seine Gattin und da ist es für mich schon sehr wichtig, dass ich mit Respekt und Würde koche, so wie es meine Gäste von mir erwarten dürfen.<<

 

>>Das haben sie schön gesagt und ich nehme ihnen auch ab, das sie das so gemeint haben.<<

 

>>Wir waren gezwungen, sie als auch wir, von vornherein ehrlich miteinander umzugehen. Einen besseren Start kann man sich nicht denken.<<

 

>>Ich stimme ihnen zu und ich darf ihnen versichern, dass der Geschmack des von mir empfohlenen Weines unsere Wahrnehmung über das genossene Essen positiv beeinflussen wird. Ich habe für uns einige Raritäten aufgetan, die den besonderen Geschmack des Lammes abrunden werden. Ich persönlich halte Rotweine für angebracht, die ein reichhaltiges Tannin haben und eine gute Säure, zumal Lammfleisch recht fetthaltig ist. Noch in meinem Weinkeller habe ich saftig-samtige Rotweine mit voller Frucht. Ich mache allerdings darauf aufmerksam, das diese Weine sehr schnell müde machen und daran sollte uns an einem so geglückten Abend nicht gelegen sein. Ich darf ihnen also an erster Stelle meinen Favoriten vorstellen, einen im Holz ausgebauten Frühburgunder. Natürlich bietet mein Keller auch andere exquisiten Weine, aber das wäre mein Vorschlag.<<

 

>>Den wir gerne annehmen,<<

sagte Robert und auch seine Frau nickte zustimmen.

 

>>Phillip hatte bereits vor Stunden das Dekantieren und Karaffieren des Weines vorgenommen,<< sagte Barbara.

>>Es ist eine Kunst das vorsichtige Umfüllen des Weines aus einer Flasche in eine Karaffe vorzunehmen. Zwei wichtige Vorgänge werden dabei gesteuert. Der Wein wird mit ausreichend Luft versorgt, so dass er gut atmen kann und der Bodensatz der Flasche muss vom Wein getrennt werden.<< Lisa merkte, wie ihrer Mutter die Gesellschaft mit Philipp genoss.

Nachdem das Roastbeef, als Vorspeise alle Ehre gemacht hatte, wurde eine Viertelstunde später der Hauptgang serviert, der Lammrücken. Er war sehr zart und alle Beteiligten zeigten sich begeistert. Der Rote-Beete-Salat war ebenfalls köstlich und passend zum Fleischgericht. Der von Philipp empfohlene Wein rundete das Essen noch einmal ab. Philipp war ein glänzender Gastgeber. Er war nicht nur ein Feinschmecker und Könner in der Küche, er war auch ein hervorragender Rethoriker der es verstand, alle Beteiligten gleichermaßen zu begeistern.

Der Abend war schon fortgeschritten und Lisa zeigte starke Ermüdungserscheinungen, wollte sich diese aber nicht ansehen lassen. Philipp war es, der sie auf die Seite nahm und ihr sagte, dass sie ruhig schon zu Bett gehen dürfe.

 

>>Und du bist auch nicht böse Onkel Philipp,<< fragte sie mit müder Stimme.

>>Ganz und gar nicht meine Kleine. Ich danke dir für die tolle Leistung, die du heute gebracht hast und wünsche dir einen tiefen erholsamen Schlaf.<<

Dann gab er ihr einen kleinen Kuss auf den Mund, was Lisa aber nicht unangenehm war. Philipp ergriff dann noch einmal das Wort und teilte seinen Gästen mit, das Lisa sich doch für heute abend zurückziehen würde. Alle wünschten ihr eine Gute Nacht und Lisa verschwand, stolz, diesen Abend so gut gemeistert zu haben.

 

Die vier Erwachsenen setzten sich noch vor den Kamin, der Abend war fortgeschritten und die Bediensteten des Catering-Services räumten im Hintergrund auf, ohne das das störend wirkte.

 

>>Wir haben so viele kulinarische Höhepunkte erfahren, dass wir euch gerne das „du“ anbieten wollen,<< sagte Philipp, ohne den Anschein von Aufdringlichkeit zu erwecken >>denn nur Freunde sind in der Lage gemeinsam so zu genießen.<<

 

>>Ich weiß nicht, wer der Älteste von uns ist aber ungeachtet dieser Frage: Ich heiße

Philipp. <<

>>Ich heiße Barbara.<<

>>Sagt Robert zu mir.<<

>> Ich heiße Dilara, was soviel bedeutet wie Herzliebe.<<

 Alle prosteten sich noch einmal zu und stießen auf die Brüderschaft an.

 

>>Nun Robert wie stehen meine Chancen an einer Zusammenarbeit mit dir?<<

>>Nun ich schreibe Kriminalromane und meines Wissens nach verlegst du alles andere, als Kriminalromane.<<

>>Es ist richtig, dass unser Verlag Belletristik, Sachbücher, Biografien verlegt. Wir sind aber eben auch vertreten in den Bereichen Politik + Gesellschaft, Medizin + Gesundheit, Philosophie und Religion. Was wir bisher abgelehnt haben, sind nicht die gut und sauber gemachten Kriminalromane, sondern vielmehr Romane, die nach Stephen King-Manier verlegt werden.<<

 

>>Ich will es dir etwas erleichtern. Wir sind ein kleines Verlagshaus, mehrheitlich in meiner Hand, einige Beteiligungen werden stumm gehalten von einem Freund von mir. Aber wie gesagt, er ist stiller Teilhaber und redet in das operative Geschäft nicht rein. Unser Markt wird der digitale Markt sein mit allen Medien, die dort etabliert werden können. In dieser schon vorhandenen Infrastruktur investieren wir Riesensummen. Das Gleichgewicht zwischen Kultur und Kommerz wird in der Zukunft neu definiert werden müssen. Die Informationstechnologie dringt in die entferntesten Winkel der Welt und in die entferntesten Winkel der Gehirne vor. Und das ist mein Markt! <<

 

>>Was wohl bisher in der Presse nicht erwähnt wurde, ist der Tatbestand, dass wir Zeitschriftenverlage aufkaufen um mit diesen guten Blättern nicht nur durch Print- sondern auch auf dem viel günstigeren Digitalmarkt Anteile zu erwerben. Ich konnte unlängst weitere Beteiligungen an Fernsehsendern erwerben, die mir noch zu einem späteren Zeitpunkt gute Dienste leisten werden. <<

>>Du kennst meinen Freund Dr. phil. Peter Korrman? Unser Verlag hat ihn unter Vertrag und wir haben jedes Buch, was er geschrieben hat, zu einem Bestseller gemacht. <<

 

>>Nein Phillip, ich kenne Korrman nicht persönlich aber ich würde das gerne einmal nachholen. Wie ich hörte, ist er ein sehr umtriebiger Geist. <<

 

Philipp hatte das Gefühl, dass Robert Teil seiner Company werden würde. Leicht machen würde er es ihm allerdings nicht. Philipp hielt es für klüger, jetzt seine Verhandlungen abzubrechen und darauf zu warten, was sich in den nächsten Tagen ergeben sollte. Robert würde Nachforschungen anstellen und das Ergebnis, würde Philipp zugutekommen.

Es war bereits zwei Uhr nachts und Robert schlug vor, den Nachhauseweg einzuschlagen. Philipp hatte natürlich vorgesorgt und ließ die beiden durch einen Limousinenservice, den Philipp häufiger zu nutzen pflegte, nach Hause fahren.

 

In der Wohnung zurück, nahmen Babs und Philipp einen Absacker. Barbara sagte,

>>das hast du fantastisch vorbereitet. <<

>>Was meinst du? <<

>>Na ja, wie du das mit der Türkin in Erfahrung gebracht hast und der Hinweis auf den Alkohol und das Lamm als Speise. <<

Philipp lachte laut auf.

>>Ich war vor einigen Jahren in einem Nachtklub und da tanzte die besagte Dilara auf den Tischen, sehr aufreizend vor anderen Männern. Sie trank Alkohol in großen Mengen. Sie konnte mich allerdings nicht bemerken und ich kannte sie zu dem Zeitpunkt auch noch nicht. Erst bei meiner Recherche zu Malik stellte ich fest, dass ich das Gesicht von seiner Frau bereits kannte. <<

 

>>Das mit der Türkin und dem Orangensaft war alles nur Theater? <<

>>Ja, sagte Philipp, natürlich. Ich musste eine Wiese finden, auf der wir gemeinsam spielen konnten, darum ging es mir. <<

>>Gute Nacht Kleines, schlaf gut. <<

>>Darf ich bei dir schlafen, << fragte Babs?

>>Nein, das wäre nicht gut und außerdem muss ich noch ein wenig nachdenken. Wir sehen uns morgen, bevor du fährst. <<

 

Am anderen Morgen als Babs aufgestanden war, war Philipp bereits abgereist. Lisa war draußen und hatte Philipp noch auf Wiedersehen gesagt.

Die Wohnung, in der sie gestern noch so freundschaftlich gefeiert hatten, war steril sauber. Kein schmutziges Geschirr, kein schmutziges Besteck, keine Krümel auf dem Boden, kein Fingerabdruck an den Hochglanzmöbeln, so, als wären die Räumlichkeiten nie genutzt worden. Die Wohnung war über Nacht so sauber gemacht worden, als ob dort vorher niemand gewesen wäre.