Schmetterling-Schwestern


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Mit leeren, hohlen Augen schaue ich auf das vor mir liegende weiße Blatt Papier, das auf meinem alten Schreibtisch liegt. Das Tageslicht fällt seitlich in den Raum, hinter meinem Rücken, behindert durch zwei dunkle Gardinen, auf die große Standuhr. Das Licht gewährleistet, dass immer eine Seite des Zeigers das einfallende Licht so reflektiert, dass ein starker Kontrast zum Ziffernblatt entsteht.

 

Mein Kopf hat eine sonderbare Steifheit als wolle er schon gedachte Gedanken festhalten und nicht dem Papier preisgeben. Mein Gesicht ist ausdruckslos und leer.

 

Aus dem Spiegel schaut mir jemand zu, nein, nicht ich bin das, es ist jemand anderer. Trotzdem scheint er mir bekannt zu sein. Sein Gesicht ist schmal, die Wangenknochen treten weit hervor. Die Gesichtszüge wirken entspannt und gleichgültig. Mit der linken Hand streicht er sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und wirkt dabei vorwurfsvoll, so, als ob er das nicht freiwillig macht.

 

Häufig ist es so, dass der Zustand der Welt um mich herum nicht mein Einverständnis findet, wenn nicht sogar mein grundsätzliches Missfallen erweckt. Ich bedaure das, bin aber nicht bereit, darüber zu diskutieren.

 

Dann fange ich an, ich schreibe, vergesse die Zeit, schreibe immer schneller und schneller bis ich letztlich müde bin, so entsetzlich müde. Meine Hand schmerzt vom schnellen Aufschreiben meiner Gedanken und dennoch kann ich sie auf dem Papier nicht erfassen, sie sind zu schnell, die Gedanken. Sie entstehen immer wieder neu und verbrüdern sich in Windeseile mit anderen Gedanken und Eindrücken. Sie sind einfach zu schnell, um sie bewusst abzuspeichern. Korrelate von neuen Informationsblasen entstehen. Ich kann einfach nicht mehr, ich muss diesen immensen Strom von Informationen in meinem Gehirn bremsen.

 

Ich will den Menschen etwas erzählen. Die Aufgabe eines Erzählers ist nicht, seine Geschichte zu interpretieren oder gar eine eigene Meinung anzufügen. Nein, nur zu erzählen und das Erzählte muss dann Raum für Interpretationen geben. Ich habe Lust, den Menschen etwas zu erzählen, und ich habe Lust zuzuhören.

Im Laufe meines erzählerischen Lebens stülpte ich mir eine Maske über. Ich wollte nicht erkannt werden bei dem, was ich tat. Ich stand nicht mehr zu dem, was ich dachte. Mein Leben hatte sich mehrfach geteilt, schon lange, vor Jahren und es fiel mir von Mal zu Mal schwerer, einen gehbaren Weg zu finden.

 

Fragmente eines Geistes, der keine Ruhe findet.

 

Ich will doch nur erzählen, etwas berichten und dennoch muss in meiner Geschichte alles einer gewissen Logik folgen. Ich sammle Prämissen, werte sie aus und komme dann zu Schlussfolgerungen.