Na und!

Ich habe meine Schwiegermutter lieb...


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Es ist einer der heißesten Tage des Jahres. Körperflüssigkeit auf unserer Haut verdunstet vor unseren Augen. Wir, das sind meine Frau und ich. Wir beschließen, in den nächst größeren Ort unserer Heimatgemeinde zu fahren, um die Klimaanlagen exponierter Geschäfte zu nutzen.

>>Nicht ohne meine Mutter, << sagt meine Frau, eher zweifelnd denn fordernd, mit brüchiger, unsicherer Stimme. 

Sie hat immer ein schlechtes Gewissen wenn, wir in den fünf Kilometer entfernten Ort fahren, nicht um einzukaufen, sondern uns einfach nur umzusehen.

Als ich nicht reagiere und pfeifend in eine andere Richtung schaue, wiederholt meine Frau ihre Forderung, diesmal etwas deutlicher als beim ersten Mal, >>nicht ohne meine Mutter. << Sie unterstreicht diese Forderung, indem sie zwei, meiner drei Vornamen nennt, was etwas Bedrohliches an sich hat. 

Ich sehe den Tag bereits als gescheitert an, viel zu schwach, um zu widersprechen. Bereits bei vorherigen Vorhaben dieser Art habe ich meiner Frau begreiflich gemacht, dass es ein Umweg ist, die Schwiegermutter Elke an ihrem Wohnort abzuholen, um sie dann mit nach Recklinghausen zu nehmen. Sie kann bequemer und günstiger mit dem Bus fahren, als wenn wir derartige Haken schlagen. 

>>Ich weiß das wohl<< sagt meine Frau.

>>Wenn uns aber jemand in Recklinghausen trifft, der meiner Mutter erzählt, dass wir in Recklinghausen waren, ohne sie vorher gefragt zu haben, dann redet sie mir Schuldgefühle ein. <<

>>Was sagt sie denn? <<

>>Warum habt ihr mich nicht mitgenommen! Alles habe ich für dich getan aber, wenn es einmal darum geht, die alte, kranke, einsame Mutter mitzunehmen, dann klappt das nicht. <<

Ich gebe mich - wie immer in diesen Situationen - geschlagen, setze meine Wahrnehmungskanäle auf halbmast und wir fahren zur Schwiegermutter Elke.

>>Wir wollen dich fragen, ob du mit nach Recklinghausen fahren möchtest? <<

>>Jetzt? << kam die Antwort.

>>Ja, es ist herrliches Wetter und wir können uns ein wenig die Füße vertreten << gebe ich gespielt und gut gelaunt dazu.

>>Aber es soll morgen schon wieder Regen geben! <<

Meine Argumentationskette ist jäh unterbrochen. Die Worte, die vorher so aus mir heraussprudelten, versagen ihre linguistische Wirkung.

>>Ich würde ja lieber nach Recklinghausen-Süd fahren, << sagt Schwiegermutter Elke.

Jetzt schaltet sich sichtlich erbost meine Frau ein.

>>Das ist nicht unser Weg! Wenn du mit in die Stadt fahren möchtest, ist das gut, ansonsten fahren wir alleine! <<

>>Wie soll ich denn dort hinkommen? <<

Meine Frau schaut mich schweigend an, ihre Lippen sind zu einem schmalen Strich geworden und die Augen zeigen Dominanz. Ein leichter Schweißfilm steht auf ihrer Stirn. Ich schalte mich erneut ein.

Mein Einwand, die Bushaltestelle liegt direkt vor deiner Tür, verhallt ungehört im Raum.

>>Du brauchst doch nur in den ankommenden Bus zu steigen und bist zehn Minuten später in der Innenstadt von Recklinghausen. <<

Keine sichtbare Reaktion. Um mir ihr Missfallen deutlich zu machen, nimmt Elke eine Zeitung und liest darin. Sie ist entschlossen, unter Aufbietung aller geistiger Kompetenz Widerstand zu leisten.

>>Du musst die Zeitung richtig herum halten, sonst verstehst du die Bilder nicht. <<

Elke dreht vorwurfsvoll das massiv zerlesene Blatt um, als wolle sie mich auf eine Probe stellen.

>>Roy Black ist tot<< sagt sie zu meiner Frau und wiederholt den Slogan auf der Vorderseite.

>>Das ist aber schon dreizehn Jahre her, << versuche ich besserwisserisch zu klingen und dieses mal bekomme ich auch eine Antwort.

>>Was kann ich dazu, wenn die Nachbarin mir erst jetzt die Zeitung gibt! <<

Meine Frau versucht, noch einmal dort anzufangen, wo meine Worte sinnlos verklangen. Warum ist das für dich so schwierig mit einem Bus zu fahren.

>>Bis zur Stadt kostet das 2,50 €, das ist mir zu teuer, das kann ich nicht bezahlen. <<

>>Meinst du vielleicht, wenn wir diesen Umweg mit dem Auto fahren ist das billiger? <<

Im Raum herrscht eisiges Schweigen. Die Wohnung ist trotz der hohen Außentemperaturen so kalt, als wäre sie über Jahre nicht geheizt worden. Die Rollade ist dreiviertel heruntergelassen. Der Raum ist dunkel. Von den Personen, die dort sitzen, sind nur Silhouetten zu erkennen.

>>Einige Male habe ich versucht, mit dem Bus zu fahren aber der ist mir immer vor der Nase weggefahren. <<

>>Vielleicht hättest du zwei, drei Minuten eher an der Bushaltestelle sein müssen. <<

>>Nein, das hat der Fahrer extra gemacht. <<

 

An der Tür klingelt es. Kein durchgehendes Schellen, sondern eher ein zittriger Klang. Mein Verdacht ist, dass die Kälte in der Wohnung den Ton der Klingel nicht einwandfrei überträgt.

Wie von einem Pfeil getroffen, schnellt meine Schwiegermutter an das Fenster, um den möglichen Eindringling zu begutachten.

>>Es ist Frieda, lass sie rein. <<

Weder meine Frau, noch ich geben einen Laut von uns. Wir wollten nichts falsch machen.

Frieda, eine Frau um die fünfzig, gramgebeugt mit einem kleinen Höcker auf der rechten Seite der Schulter betritt die Wohnung meiner Schwiegermutter Elke. Die Dielen unter ihren Füßen geben knarrende Geräusche von sich. Wegen Friedas Korpulenz kommen Sprachlaute eher fauchend heraus. Ihr Gebiss ist gross und ausgeprägt sowie stark kariesbetont. Mit dieser fauchenden Stimme, die ich eher als Bedrohung empfinde, sagt sie meiner Schwiegermutter Elke, ich fahre morgen in die Stadt möchtest du mitfahren?

Meine Schwiegermutter strahlt. Ich sehe plötzlich eine völlig veränderte Person vor mir, lustig, lebensfroh einfach gut drauf. Kein Wort von dem bevorstehenden Regen. Voller Überschwang und in Geberlaune bietet sie Frieda ein Glas Kranwasser an.

>>Gerne Frieda, gerne fahre ich mit dir in die Stadt. Wir trennen uns dann wieder am Rathaus und machen einen Treffpunkt aus, genau wie beim letzten Mal. <<

>>Wie gefallen dir meine neuen Schuhe, Elke, << fragt Frieda und schiebt die brikettähnlichen Gegenstände an ihren Füßen in das vorhandene Restlicht des Raumes.

>>Wunder…, wunder…, wunderschön, herzallerliebst. Die haben doch bestimmt ein Vermögen gekostet. <<

>>Echtes Rindsleder<< sagt Frieda und unterstreicht, dass das genau die richtigen Schuhe sind, wenn man wie sie einen Hammerzeh und diverse Hühneraugen hat. >>Dann bis morgen. Wir treffen uns um 15 Uhr an der Bushaltestelle<< sagt Frieda und stampft aus der Wohnung.

Später erfuhr ich dann von meiner Frau, dass Frieda und Elke sich nicht immer so gut verstanden haben. Erst als Frieda aufgrund einer vertrauensärztlichen Untersuchung einen Schwerbehindertenausweis mit einem Grad der Behinderung von 100 % bekam und ihr ein sogenanntes „B“ für die Berechtigung einer Begleitperson zugesprochen wurde, war das Verhältnis zwischen den beiden mehr als gut. Frieda ist kein einfacher Mensch und mit ihrer Brille, so dick wie Einmachgläser stark sehbehindert. Trotz alle dem gelingt es ihr mit dem besagten „B“ auf dem Schwerbehindertenausweis ein soziales Netzwerk aufzubauen, wenn auch nur ein kleines, bestehend aus Elke, meiner Schwiegermutter.

Um die Spannung in dieser Geschichte zu lindern sei schon einmal vorweg gesagt, dass es zu einem Treffen zwischen Elke und Frieda auf absehbare Zeit nicht kommen sollte. Das „B“ sollte also in Friedas Ausweis ungenutzt bleiben, jedenfalls was Elke anbetraf.

An den folgenden Vorkommnissen, so stellte sich später heraus, sollte ich ein fundamentales Mitverschulden tragen. Ich, Ehemann meiner Frau, Möchtegernschriftsteller, ein schwieriger Mensch mit einem minimalen Freundeskreis und überschaubaren Charaktereigenschaften überredete also an diesem besagten Tag die Schwiegermutter Elke dazu, mit uns in die Stadt zu fahren. So nannten wir das, wenn wir die Innenstadt von Recklinghausen meinten. Auf dem Hinweg gab es bereits rege Debatten, ob wir unser Fahrzeug auf dem großen schwarzen Platz an der Schule abstellen oder ob wir in das Parkhaus von C&A fahren. Meiner Frau und mir sagt das Parkhaus eher zu, Elke sagt, es wäre zu teuer, obwohl sie beide Preise nicht kennt. Letztendlich soll es ihr auch egal sein, da sie die Parkgebühren eh nicht übernimmt, von zusätzlichen Spritkosten ganz zu schweigen. Wir steuern also den schwarzen Platz an, fahren etwa 20 mal im Kreis, rangieren vor und zurück, bis wir eine adäquate Parklücke finden. Die Tür unseres Fahrzeuges wird aufgeworfen, kaum das dieses zum Stillstand kam und die kranke Elke springt wie eine Feder aus dem Fahrzeug, immer noch in Trauer, wegen Roy Black. Sie macht sich auf den Weg in die Innenstadt, und zwar am Steintor, wo die ein Euro Shops liegen. Verabredet haben wir dann ein Treffen, zwei Stunden später. Zwischenzeitlich sahen wir uns noch einmal bei C&A um, wo Elke die vergangene Wintermode begutachtete, die auf 2,50 € runtergezeichnet war.

>> Geht da noch was runter << höre ich eine sonore Stimme. Doch die Verkäuferin verneinte mit bedauernder Miene.

Meine Frau und ich schlendern so durch die Innenstadt mit dem Gefühl, unsere Bedürfnisse bereits abgedeckt zu haben und in der Hoffnung ein gutes Werk an Elke begangen zu haben. Instinktiv denken wir, lass uns noch einmal nach C&A gehen. Die Hitze ist unerträglich und so ist es uns nur recht, uns dort ein wenig auszuruhen. Meine Frau stöbert derweil in irgendwelchen Kleidungsstücken, wie Frauen das so an sich haben. Ich habe offengestanden immer ein Buch bei mir, sodass sich die Wartezeit auf diese Art besser ertragen lässt.

Herr und Frau Korrman zur Information. Als meine Ohren meinen Namen hören, verschlossen sie sich automatisch. Gedankenschnell laufen in meinem Gehirn Filmsequenzen mit allen möglichen Szenarien ab. Habe ich eine Rechnung nicht bezahlt, hat eventuell die Karstadt-Quelle Bank Killer auf mich angesetzt oder haben nur einige Fans, die Lesestoff auf meiner neuen Internetseite gefunden haben das Bedürfnis, ein Autogramm von mir zu bekommen. Meine Frau sieht mich von Weitem an und wir steuern auf den Stand zu, der sich als Informationsstand zu erkennen gab. Herr und Frau Korrman? Ja! Sie möchten bitte in den und den Laden gehen (den Namen des Geschäftes nenne ich hier bewusst nicht). Meine Frau fragt sofort, ob etwas passiert sei doch die freundliche Dame kann keine Auskunft geben.

Wir machen uns auf den Weg zu dem besagten Geschäft und sehen schon aus der Ferne eine Traube von Menschen. Hoffentlich habe ich genug Autogrammkarten dabei, denke ich! Im selben Moment verwerfe ich den Gedanken, als ich einen Krankenwagen vom Malteser Hilfsdienst vor mir sehe. Meine Frau ist fassungslos. Zwei Sanitäter kommen mit einer Trage aus einem Geschäft, auf der Elke gestikulierend liegt. Neben ihr läuft ein Malteser, der offenbar der Arzt zu sein scheint. Intubieren und Infusion war nicht erforderlich, so schließe ich auf eine Harmlosigkeit. Alleine das Gestikulieren von Elke macht mich nervös. Wie sich später herausstellte, rebellierte sie dagegen, dass der Ladeninhaber einen Krankenwagen bestellte. Wenn aber schon ein Krankenwagen erforderlich wird, dann aber ohne Arzt. Den zahl ich nicht rief sie dem Ladenbesitzer hinterher. Das geht alles auf ihre Kappe.

>>Was ist passiert frage ich<< eine Bedienung.

Mein Blick fällt sofort auf einen Gegenstand, der aussieht wie ein umgestülpter Eimer, mit Rollen darunter. Verkäuferinnen nutzen so etwas in den Geschäften, um die obersten Regale zu füllen.

>>Die Kundin hat das Geschäft betreten und ist sofort auf das Regal mit den Billigartikeln zugesteuert. Eine Auszubildende, die mit der Regalbefüllung beauftragt war wollte nur kurz Nachschub aus dem Lager holen, ließ also den Rollhocker vor dem Regal stehen. Es sollte ja nur für einen Moment sein. Die Kundin bestieg diesen Hocker, da sie in der obersten Regalreihe, hinter den sichtbaren Produkten, weitere billigere Produkte vermutete. Durch ihre umgelenkte Bewegung auf dem Rollhocker kam dieser in eine andere Position. Die Kundin verlor das Gleichgewicht, hielt sich aber am Regal fest und zog während des Fallens die gesamte Ware auf sich. Sie jammerte und stöhnte, sodass wir vermuten mussten, sie hat sich etwas gebrochen. Wir sind dann gehalten, einen Krankenwagen zu rufen. <<

Das ist verständlich, gebe ich der Verkäuferin zu verstehen, während die Auszubildende weinend hinter der Kasse steht.

>>Machen sie sich keine Gedanken<< sage ich der jungen Dame, es scheint ja nicht viel passiert zu sein. Mit diesen Worten verabschieden wir uns und machen uns auf die Suche nach Elke, die, wie wir später herausfanden ins Prosper-Hospital gebracht worden war.

>>Ich kann nicht mehr laufen, ich kann nicht mehr zum Klo, ich bin ein Krüppel. <<

>>Nun beruhigen sie sich einmal<< sagt eine der gutmütigen Krankenschwestern >>wir behalten sie heute noch hier und morgen können sie dann wieder nach Hause fahren, alles ist halb so schlimm. <<

>>Ich kann doch morgen nicht nach Hause, ich habe doch mindestens mehrere Brüche! <<

>>Nein, sie haben nur Prellungen, die sind zwar schmerzhaft aber nicht lebensbedrohend. <<

>>Weißt du, dass Roswitha hier ist? << fragt Elke vom Krankenbett meine Frau.

>>Nein, das weiß ich nicht, << antwortet meine Frau artig und noch ein wenig unter Schock stehend.

Nun sah ich plötzlich meine Stunde gekommen, hämisch und verschlagen, wie ich sonst nur in Extremfällen sein kann, sage ich zu Elke >>versuche doch einfach mit Roswitha auf ein Zimmer zu kommen, dann bezahlst du nur die Hälfte. <<

>>Meinst du, ich muss das selber bezahlen? << war die Antwort.

>>Das weiss ich<< sage ich mit dem Brustton der Überzeugung.

Ich schildere ihr die Geschichte aus meiner Sicht. Sie war auf einen Hocker geklettert, ohne Befugnis. Sie hat sich an den Waren zu schaffen gemacht, die für den öffentlichen Verkauf noch gar nicht freigegeben waren und sie hat die Ware während des Fallens mit runtergezogen. Das hat noch einen separaten Schaden verursacht. Krankenwagen, Arzt usw. sind auch nicht umsonst.

>>Wahrscheinlich werde ich ja morgen entlassen. <<

>>Ich würde ja die ganze Bande verklagen<< sage ich, aber ein Tag Krankenhausaufenthalt ist da zu wenig. Wenn das 10 oder 14 Tage wären, hört sich das schon ganz anders an. Da könnte man einiges an Schmerzensgeld herausholen.

>>Was kann denn dabei rauskommen? << fragt Elke.

>>Mit einigen Tausend Euro wirst du schon rechnen können und die anfallenden Kosten trägt die Krankenkasse. <<

>>Hast du denn sonst keine Krankheiten, die du hier mitbehandeln lassen kannst? <<

Elke machte auf ihren schlechten Allgemeinzustand aufmerksam. Die Ärzte würden jedoch nichts finden, außer….?

>>Ja, << sage ich, was denn?

>>Hämorrhoiden<< kam es zögerlich aus ihrem Mund << aber daran lass ich mich nicht operieren. <<

>>Das ist deine einzige Chance, länger im Krankenhaus zu bleiben, und wir können bei unseren Schmerzensgeldforderungen einen richtig hohen Betrag geltend machen. Wenn du höflich fragst, wird sicher auch Roswitha auf dein Zimmer gelegt. So eine OP ist doch heute ein Klacks. <<

 Als wir das Krankenhaus verlassen, sagt meine Frau, das ist keine gute Idee.

>>Was willst du Schatz, 14 Tage Krankenhausaufenthalt, Schmerzensgeld, dreimal täglich Essen. So gut haben wir es nicht. <<

Einen Tag später fahren wir zum Krankenhaus und finden eine quietschfidele Elke vor, die bereits das Regiment in ihrem Krankenzimmer übernommen hat. Roswitha war dazugeschoben worden und musste aufgrund der Prellungen, die Elke erlitten hatte alle möglichen Botendienste erledigen.

>>Ich habe der Hämorrhoiden-Operation zugestimmt<< rief Elke meiner Frau auftrumpfend  zu.

>>Bravo<< sage ich, >>eine gute Entscheidung. Günstiger kriegst du die Dinger nicht los! <<

>>Ihr könnt dem Laden in Recklinghausen schon mal sagen, dass da eine saftige Klage auf die zukommt. <<

>>Ok, sage ich<< und hielt aufmunternd den Daumen hoch. >>Wir gehen kurz in die Cafeteria und kommen gleich noch einmal vorbei. <<

Es war so gegen 18 Uhr, als wir die Cafeteria betreten. Man will dort gerade die Küche schließen aber letztendlich bekommen wir doch noch eine Kleinigkeit zu Essen. Wir lassen uns Zeit und zugegebenermaßen habe ich ein wenig Schadenfreude.

Meine Frau stellt fest >>das ist das erste Mal, dass Elke auf dich hört! << Ich nehme das als Kompliment und denke mir, es wird auch das letzte Mal sein.

 

Als wir wieder zurückkommen und die „Innere“ ansteuerten liefen alle möglichen Arzthelferinnen wie wild durcheinander, die meisten von ihnen vorne braun. Es war extra ein Putzteam geordert worden, um die Station von den Fäkalien zu reinigen. Roswitha kam uns schimpfend entgegen, vom Hals bis in die Haarspitzen braun.

Man hatte Elke einen Einlauf verpasst und weder das Umfeld noch Elke auf die möglichen Folgen hingewiesen. Elke, die häufiger unter Verstopfung litt, war die Art der Darmentleerung ganz angenehm, auch wenn sie sich die Umstände anders gewünscht hätte.

Der Oberarzt, der abends noch einmal durch die „Innere“ läuft sagt, uns ist so eine Art der Defäkation angenehmer, als wenn uns bei der OP die Scheiße um die Ohren fliegt.

Bis dahin fanden wir alles in Ordnung. Als wir dann einen Tag später ins Krankenhaus kommen, sagt man uns an der Aufnahme, welchen Weg wir gehen sollen, da Teile des Krankenhauses wegen Malerarbeiten gesperrt waren.

Wir treffen auf den Oberarzt, der blutverschmiert meiner Schwiegermutter versucht, ihr die OP zu erklären. Elke zeigt wenig Verständnis dafür. Ein strafender Blick in meine Richtung lässt vermuten, dass sie mindestens die nächsten Jahre mein ausdrücklicher Feind sein wird.