Grundlagen menschlicher Existenz


Sie sind katholisch, evangelisch oder gehören sogar dem Islam oder einer anderen großen Religionsgemeinschaft an?

Wie würden Sie mit Ihrer Religion umgehen?

Welche Fragen würden sie ihren Glaubensführern stellen und welche Antworten erwarten sie von ihnen?

Viele unserer Mitmenschen hatten schon einmal mit Religion zu tun, direkt oder indirekt, durch Geburt oder durch Heirat oder sie haben sich zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Religion bekannt. Religion ist in unserem Leben gegenwärtiger als wir glauben. So feiern wir religiöse Feste mit und halten uns an bestimmte Glaubensregeln, die uns von Haus aus mitgegeben wurden, vielleicht ohne sich dessen genau bewusst zu sein. Einige Menschen, die diesen Artikel lesen, sind möglicherweise als Christen, Muslime, Hindus, Buddhisten oder vielleicht in einem ganz anderen Glauben erzogen worden.

Ich möchte einmal über dieses Thema nachdenken. Was macht eigentlich eine Religion aus? Es gibt Bücher darüber, die diese großen Lebensfragen behandeln und Auskunft darüber geben wollen.

Gibt es eine höchste Instanz?

Lassen sich Götter beweisen?

Was macht das Wesen der Göttlichkeit aus?

 

Wenn es ihnen gelingen sollte, in die tiefsten Tiefen eines Urwaldes vorzustoßen und dort Menschen vorzufinden, die noch nie Kontakt zu anderen Menschen hatten, werden sie feststellen, dass diese Menschen nichts haben, aber sie haben eine Religion. Wenn Sie in Krisengebiete gehen oder einfach nur auf die Straße blicken, werden sie Religionen sehen? Die Antwort ist einfacher als man denkt und doch kompliziert zugleich: Religion ist eine der Grundlagen der menschlichen Existenz.

 

Was macht Religion aus?

 

Aus welchen Elementen besteht Religion?

 

Wie unterscheidet sich eine religiöse Weltanschauung von einer spirituellen oder philosophischen?

Oberflächlich gesehen können Religionen ziemlich ähnlich sein. Doch sich mit Religionen auseinander zu setzen und Religionen verstehen lernen, lernt, was es heißt, ein Mensch zu sein.

 

Wenn man es sich ganz einfach macht, könnte man sagen, Religion ist gleich Glaube, auch wenn der Glaube nicht immer Religion ist. Doch das wäre sicherlich zu simple.

Ist Religion der Glaube an Gott? Nun diese Definition trifft nur auf die wenigsten Religionen zu. Zutreffend wäre das für die Menschen, die nur an einen Gott glauben. Doch es gibt auch Menschen, die an mehrere Götter glauben, oder Religionen, die an einen Hauptgott glauben, ohne die Existenz anderer Götter und Göttinnen infrage zu stellen.

Man könnte auch sagen, Religion bedeutet eine bestimmte Art und Weise, sich zu verhalten: nämlich aufrichtig und freundlich gegenüber den Mitmenschen und achtsam gegenüber der Umwelt. Damit würden wir der Ethik schon sehr nahe kommen, die ja u. a. auch dort zu finden ist, wo man sich mit den Voraussetzungen menschlichen Handelns und seiner Bewertung befasst.

Schlicht gesagt umfasst die Definition von Religion alle diese Definitionen. Eine Religion ist der Glaube an ein oder mehrere göttliche, übermenschliche oder geistige Wesen.

Jede Religion hat ein Glaubenssystem. Jede Religion verkündet oder lehrt ihre eigene Wahrheit, über die Welt, die Menschheit und Gott. Diese Überzeugung vermitteln dem Gläubigen, wie er Erleuchtung erlangen kann und warum diese beiden wichtigen Ziele auf seinem spirituellen Weg liegen. Auf diesen fundamentalen Glaubenssätzen begründet jede Kirche ihre Autorität. Diese Grundsätze erklären auch, wie die Anführer organisierter Religionen ihre Macht und Autorität kontinuierlich ausbauten und ausübten.

 

Die religiösen Glaubenssysteme lehren – jeder auf seine eigene Weise – ihre Wahrheit über das Leben, das Leiden, die Hoffnung und über das, was nach dem Tod kommt.

Die Glaubenslehre macht eine Religion zu dem, was sie ist. Von den drei Wesensbestandteilen einer Religion, nämlich Glaubenslehre, Rituale und Ethik ist die Glaubenslehre die Wichtigste, denn sie ist sozusagen zuerst da und formt die Ethik und die entsprechenden Riten und Rituale.

Die Theologie und ihre Geschichten verbinden die einzelnen Glaubenssätze miteinander. Die Theologie ist das Bedienungshandbuch einer Religion. Eine Theologie ist wichtig, weil sie die Glaubenslehre einer Religion in eine Ordnung bringt, sodass die angesprochenen Menschen sie auch verstehen können. Religionen, wie der Judaismus und der Hinduismus verwenden Geschichten und keine systematischen Lehrgebäude, um ihre religiösen Überzeugungen zu vermitteln. Deshalb ist es auch viel schwieriger, die wesentlichen Glaubenslehren dieser beiden Religionen eindeutig zu bestimmen.

 

Judentum, Christentum und Islam werden von vielen Menschen als westliche Religionen in den westlichen Kulturen bezeichnet, weil sie sich auf Abraham beziehen, als den Stammvater der alten hebräischen Familien und durch seine Nachkommen auch die islamischen und christlichen Gläubigen finden wir, dass der Begriff abrahamitische Tradition besser passt.

Die Gemeinsamkeiten der genannten Religionen bestehen in der Hauptsache in dem selben religiösen Gedankengut.

  • .        Alle drei Religionen glauben an den einen allmächtigen und allwissenden Schöpfer Gott (von den Muslimen Allah genannt). Dieser Gott hat die Welt erschaffen und alles, was in ihr lebt. Der Mensch ist nicht nur von Gott gesegnet, sondern wurde auch nach dem Bilde Gottes geschaffen. Deshalb ist das Leben auch in besonderem Sinne heilig.

  • .        Abrahamitische Glaubensgemeinschaften glauben, dass Gott den Menschen einen freien Willen gab, damit sie entscheiden können, wie sie leben wollen, und einen Kodex moralischer Gesetze und Gebote für ihr Leben, damit sie den richtigen Weg finden und ein gutes und gerechtes Leben führen.

  • .       Abrahamitische Religionen glauben, dass Gott eines Tages die Welt von allen Sünden und Mängeln erlösen und in den ewigen Frieden führen wird.

  •  .       Diese Religionen glauben, dass Gottes Tun in den Ereignissen der Geschichte sichtbar ist und weiter sichtbar bleibt und dass er den Menschen befohlen hat, auf der Welt seinen Willen geschehen zu lassen.

Diese Religionen unterscheiden sich in einigen Bereichen, deren Hauptunterschiede beziehen sich auf die christliche Vorstellung von der Dreieinigkeit und auf den christlichen Glauben an Jesus als den Messias und Sohn Gottes.

  •        Die Dreieinigkeit (Trinität): Christen, Juden und Muslime glauben an einen einzigen Gott. Sie beschreiben Gott, aus drei Personen zusammengesetzt, Gottvater, Gottes Sohn und der Heilige Geist. Der jüdischen Gemeinde kam die Vorstellung von der Dreieinigkeit vor, wie der Glaube an drei Götter, das vertiefte den Riss zwischen den Juden und den Christen.

  •            Jesus als Messias: Der jüdische Glaube geht davon aus, dass der Messias der Welt Frieden bringt und alle Juden wieder zusammenführt. Weil Jesus dieses nicht getan hat, entfachte sich eine lange Debatte, ob Jesus wirklich der Heilsbringer sei. Muslime sehen in Jesus einen der großen Propheten, der jedoch seine Mission nicht vollenden konnte. Aus diesem Grunde ist eine weitere, endgültige Lehre notwendig gewesen, der Koran.

  • Jesus als Gottes Sohn: Der Glaube, dass Jesus Gottes Sohn sei (und deshalb sowohl Gott als auch Mensch war, unterscheidet sich von der jüdischen und muslimischen Auffassung, dass Gott nie Mensch werden konnte). Für die Muslime war Jesus ein Prophet, nicht der Sohn Gottes. Tatsächlich wäre es aus muslimischer Sicht anstößig, wenn Allah einen Sohn hätte.

Wir erleben zur Zeit eine der größten Völkerveränderungen in der Welt. Die UN spricht von 60 Millionen Menschen, Menschen deren Wurzeln man beraubt wurde, die keine Kraft und kein Geld haben in andere Länder zu fliehen. Die meisten von ihnen verharren noch in ihren Ländern, in primitiv aufgestellten Lagern, an den Rändern der ruinierten Städte oder in der Wüste. Doch allen Lebensgefahren zum Trotz und mit einer todesverachtenden Energie brechen sie nach Europa auf. Kennen keine Hindernisse und lassen sich von dem deutschen wiehernden Amtsschimmel nicht ins Maul schauen.

 

Die Mitarbeiter der Lager und Sozialstationen sind überfordert. München und Dortmund und viele andere Städte stehen vor dem Kollaps und dennoch möchte man den Helfern vor Ort zurufen „danke“, denn die Zurufe die sind das Einzige, was die Flüchtlinge als Währung anbieten können.

Und dennoch kann man hier ganz deutlich sehen: Religion ist eine der Grundlagen der menschlichen Existenz. Das sieht man in den Gesichtern derer, die auf Wanderschaft sind.

22.09.15