PBB oder wer hat auf diesen Löwen geschossen?


Download
PBB wer hat auf den Löwen geschossen?
PBB wer hat auf den Löwen geschossen.pdf
Adobe Acrobat Dokument 50.6 KB

PBB oder wer hat auf diesen Löwen geschossen?

 

Ich sitze an meinem Schreibtisch, die Stirn in tiefe Sorgenfalten gezogen. Ein bespiegelter Wandschmuck lacht mich erst aus, dann zwinkert er mir zu, als könne ich die Falten wegstecken. Eine leise Stimme in mir sagt, Umwelteinflüsse, als wolle sie mit diesem Wort den Sachverhalt relativieren. Eine andere Stimme sagt, das eigene Gefühlsleben und die Zeichen der Zeit lassen sie zum Vorschein kommen: Zusätzliche Falten an den Augen. Besonders auffällig in der Gesichtsregion sind die Zornesfalten, auch Glabellafalten genannt. Als senkrechte Falten zwischen den Augenbrauen erwecken sie den Eindruck negativer Emotionen. Sie lassen das Gesicht älter und unfreundlicher aussehen, als es in Wirklichkeit schon ist.

Plötzlich fange ich an, zu weinen, wie ein kleines Kind. Ich bin erst 60 Jahre alt und werde für den Rest meines Lebens mit Menschen zu tun haben, die auf peinlichste Art und Weise ihr Gefühlsleben öffentlich zur Schau stellen. Als Eingangstür zu meinen Wohnräumen nutzen sie den Fernseher, geben Freiheit und Würde an der Tür ab, als wäre das eine Selbstverständlichkeit. Sie werden zu Menschen ohne Werte.

Mein Therapeut sagt, ich darf diese Menschen ohne Werte, zu denen auch die Betreiber der Sendung gehören, nicht in mein Wohnzimmer lassen. Am besten den Stromstecker ziehen. Und doch ertappe ich mich dabei, leise, heimlich und ohne bleibenden Effekt mir dieses Format anzuschauen. Sollte es soweit kommen, sagte mein Therapeut, sollte ich Plan B in Kraft setzen.

Ich brauchte dann dringend einen Gesprächspartner. Mein Therapeut hat mir gesagt, wenn er nicht schnell genug zur Stelle sein sollte, soll ich einen kleinen braunen Karton nehmen, seitlich zwei Babymöhren anheften, vorne drauf ein halbiertes Radieschen, rechts und links als Augen, und dazwischen noch einmal eine Wurzel, die die Nase artikuliert. Obendrauf ein weißer, bereits benutzter Socken, der aber wie eine Skiläufermütze aussieht. Diesen Karton befestige ich an einer Wäscheleine mit zwei Plastikklammern, die eine Fußstellung einnehmen sollen. Es ist das zweite Mal, dass ich so etwas mache. Beim ersten Mal hat es mir geholfen und ich habe den Karton Theo getauft. Auf der rechten Plastikklammer habe ich ein Kinderpflaster geklebt um zu dokumentieren, dass auch er, Theo, nicht unfehlbar sei.

Warum ich Theo zu ihm sage? Das weiß ich nicht! Theo ist ein Allerweltsname! Man kann ihn für alles gebrauchen, für einen Lkw-Fahrer, für einen Zirkusdirektor für den Lehrling in einem Supermarkt oder für einen Therapeuten.

Meine Tränen trocknen langsam, als mir der wahre Sachverhalt meiner Schwäche erklärbar wird. Ich habe ein Manko, ein Defizit, das mir ganz klar zu verstehen gibt, dass mein emotionales Werkzeug nicht scharf genug ist, mich so zu schämen, wie es dieser Sendung gebührt? Promi Big Brother! Mein Therapeut hatte bereits angedeutet, dass mein normales Schamgefühl nicht ausreicht. Ich könnte es jedoch trainieren, wie andere Menschen ihre Muskeln trainieren. Zum Beispiel mit Gesprächen zwischen Theo und mir.

Mein Haut-Faltenmesser steht vor dem Botox-Aichstrich. Zeit sich zu entspannen und der Geschichte, die so gefühlvoll angefangen hat auf neutrale Füße zu stellen. Fremdschämen, sagt mein Therapeut, der zwischenzeitlich auf meinen Notruf reagierte, ist jetzt nicht mehr drin. Sich stellvertretend für andere Menschen schämen, die sich anderen Menschen gegenüber peinlich benehmen wird auf therapeutischer Ebene trainiert.

 

Vieles ändert sich eben nicht. Äußerlichkeiten vielleicht, Größenverhältnisse. Doch sonst bleibt alles beim Alten. Bereits 44 v. Chr. gab es Wagenrennen und zweitausend Jahre später immer noch. Wie die Vehikel früher hießen, weiß ich nicht, doch heute heißen sie Mercedes, Lotos, Ferrari usw. Die Art der Zuschauer hat sich auch nicht rasant verändert.

Es gibt Sprecher dafür und es gibt Sprecher dagegen. Menschen kamen jedoch dabei immer zu Schaden, ja wurden sogar in den Arenen des mittelalterlichen Griechenlands getötet. Der Zuschauer empfand dieses unsagbare Kribbeln im Bauch, wenn jemand zu Schaden kam, oder sogar sein Leben lassen musste. Die Gefahr war der Reiz an der Sache. Blut musste fließen. Stiere werden heute noch in Spanien, mitten in Europa, durch die mittelalterlichen Gassen kleinerer Städte getrieben. Dann werden sie mit Speeren und Messern malträtiert, um ihre natürliche Wut zu steigern und ihnen ihre Ausweglosigkeit vor Augen zu führen, indem sie den Tieren ihre Würde nehmen. Einer der Beiden, das Tier oder der Mensch, wird das Nachsehen haben. Alle Beteiligten brechen – wer auch immer gewinnt oder verliert, Mensch oder Tier – in helles Gelächter aus.

Heute heißen die Stadien, in denen gekämpft wird, Promi Big Brother, Hells Kitchen oder Jungel Camp. Die Macher sind nicht besser als deren Spieler. Bei einem Spiel am 26.08.2015 mussten zwei Kandidaten in der letzten Runde gehacktes Fleisch mit den Füßen ertasten. „Meine Güte“ möchte man da schreien und angefangen von dem Produzenten, bis hin zum Zuschauer, alle Beteiligten in Geiselhaft nehmen. Was denkt ein Flüchtling bei diesen Bildern. Das kann ich ihnen sagen. Der denkt er wäre vom Regen in die Traufe gekommen und in einer perversen Subkultur gelandet. Je niveauloser die Bildübertragung um so mehr Zuschauer. Das reicht aber noch nicht. Szenenwiederholungen können sie im Internet, nachts auf den Sendern von SAT1 und im Frühstücksfernsehen sehen.

Pfui! Wer will da einer Bank noch verbieten, gegen Lebensmittelzertifikate zu wetten und damit Hungersnöte auszulösen.

Pfui! Arme, kranke Welt!

 

Als Platon den Satz prägte,

„Es gibt einen Platz, den du füllen musst, den niemand sonst füllen kann und es gibt etwas für dich zu tun, was sonst niemand für dich tun kann.“

Hatte er da dieses Bild vor Augen? Sicherlich nicht! Nur die Wenigsten werden diesen Vorstellungen gerecht. Es sind die, die wirklich ihren Platz im Leben finden werden oder schon gefunden haben und ihn sinnvoll ausfüllen, damit die Kinder ihn eines Tages übernehmen können.

Wenn wir einen Zeitsprung machen und in das Jahr 2050 reisen werden wir durch Hochrechnungen feststellen, dass wir 9 Milliarden Menschen auf der Welt haben werden. 150 Menschen werden pro Minute geboren, das sind 216.000 Menschen pro Tag, 78 Millionen Menschen pro Jahr. Menschen, die ein Anrecht auf Wertschätzung, Würde und ausreichend Niveau haben.

Wenn wir das einmal als gegeben hinnehmen, müssen wir ergänzend dazu sagen, überleben kann die Menschheit auf der Erde dann nur, wenn sie im Sinne der Evolution intelligent sind. 9 Milliarden dumme Menschen sind eine Bankrotterklärung für diese Welt. Sie würde sich nicht mehr weiterentwickeln, läge wie ein Riesenkollos im Ruhestand.

Ich würde Ihnen das gerne erklären, was ich unter intelligent und dumm verstehe und warum ich auf diese Unterschiede so großen Wert lege:

Allgemein kann man über einen Dummen sagen, dass er sich in einer Situation befindet, wo er Wahrnehmen, Denken, Erkennen kann.

Der Dumme an sich leidet an mangelnder Intelligenz, handelt meist umgangssprachlich töricht (unklug, unvernünftig, dümmlich, einfältig ohne Sinn und meist vergeblich). Das Problem des Dummen ist es, etwas in seiner sinnhaften Form nicht wahrnehmen zu können und wenn er wider Erwarten es doch kann, weigert er sich, Wissen aufzunehmen. Er zieht aus vorhandenen Ereignissen Schlüsse, weigert sich aber, aus diesen Schlüssen zu lernen. Der Dumme lässt sich in zwei Gruppen unterteilen:

a)      der, der bekannt ist, dass er dumm ist und diesen Zustand mit allerlei Albernheiten und Lächerlichkeiten überspielt;

b)      die Zweite Gruppe ist die, die einfach nicht weiß, dass sie dumm ist. Es hat für sie keine weiteren geistigen Folgen. Sie führen ein Leben in der Vegetation der Natur.

Dumme herrschen über andere Dumme. Das ist die Gruppe c) Die Menschen sind der Dummheit zuzurechnen verfügen aber über eine Art Cleverness, ausch Straßenschläue genannt. Eine der Damen aus PBB möchte ich dazuzählen, die mit einem Sprachfehler gekennzeichnet ist und sich nicht anders helfen kann, als den einen Mitspieler gegen den anderen Mitspieler auszuspielen um sich selber dann in eine bevorzugte Lage zu bringen. Das gelingt nur bis zu einem gewissen Grad. Ist man dann nicht aufmerksam, so fällt man in die Grube der a) und b) genannten. Leidet unter einem Kontrollverlust, stottert, weint, doch fängt sich dann innerhalb kurzer Zeit wieder. Doch diese Dame lernt nicht aus ihren Fehlern, ist unfähig andere Menschen – außer sich selbst – mit dem entsprechenden Respekt wahrzunehmen. Sie beginnt ihr Spiel von vorne und wieder muss sie Kontrolle abgeben bis sie das PBB-Haus tierisch winselnd verlassen musste. Das ging so schnell, dass sie selber nicht damit gerechnet hatte.

Oft merken die Dummen erst zu spät, dass sie zu dumm sind. Sie haben dann schon ihre Kontrolle an die Intelligenten abgegeben.

Ich möchte hier ausdrücklich vermeiden, krankhaft bedingte Folgen in die Nähe einer Dummheit zu rücken. Es handelt sich dabei um menschliche Gebrechen, die in diesem Aufsatz keinerlei Rolle spielen.

Der intelligente Mensch ist ein Mensch, der aus seinem Handeln immer wieder neu lernt und das Erlernte versucht weiterzugeben. Seine Wahrnehmungskanäle, seine geistige Leistungsfähigkeit führt ihn zu dem, was wir Intelligenz nennen.

Schlau ist allerdings nicht unbedingt klug. Schlau fühlt sich vielleicht der Schüler, der von einem anderen Mitschüler das richtige Ergebenis abgeschrieben hat, ohne selber etwas dafür zu tun. Der Dreh- und Angelpunkt unseres evolutionären Denkens ist ja der Vorzug, immer etwas Neues zu lernen, neue Erfahrungen zu machen und aus diesen Erfahrungen zu lernen. Weiterentwicklung heißt hier die Losung – auch später über Generationen hinaus. Das Ergebnis wird der Nutzen sein, der uns zum Vorteil gereicht.

Wenn wir hier und jetzt nicht in der Lage sind, so Formate wie eben genannt als dumm oder intelligent einzustufen, werden wir ein Problem bekommen. Desgleichen gilt für ein Format Frühstücksfernsehen, wo sie einen albernen Moderator sehen können, den ihre Kinder schon ertragen müssen, bevor sie zur Schule gehen. „Dann schalten sie doch auf ein anderes Programm“ wäre die Aussage des Senders. Doch das akzeptieren wir nicht als mündiger Verbraucher. Wir haben ein Recht darauf, den Umständen entsprechend sauber und seriös informiert zu werden, ohne um diese Uhrzeit einen Clown ertragen zu müssen, der uns erzählen möchte, warum die oder jene Person es nicht geschafft hat in die Sendung zu kommen, weil „ihr Hintern zu dick oder zu dünn“ ist.

Wir haben als Fernsehkonsument Rechte. Diese Rechte beziehen sich auf eine ordentliche und ausgewogene Berichterstattung, auf das Fehlen von Formaten, wo Menschen gegeneinander ausgespielt und ihrer Würde beraubt werden und auf stundenlange Albernheiten, die bei SAT schon einmal zum Nachteil gereichten. Wir sind zahlende Fernsehkonsumenten ARD, ZDF, WDR etc. und über die Werbung, die wir über uns ergehen lassen müssen auch die Privaten Sender wie SAT 1, RTL etc.