Schwarmintelligenz-weil alle es tun!


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Wenn jeand etwas vormachgt, machen etliche es nach!
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Weil alle es tun! Schwarmintelligenz! Kollektive Intelligenz.

Wenn sie die Suchmaschine Google benutzen, was denken sie dann? Denken sie auch über Alternativen nach, wie die Nutzung andere Suchmaschinen oder verlassen sie sich ausschließlich auf Google? 96 Prozent aller sich im Internet befindlichen User werden sich an Google halten.

Sind die Informationen dort treffsicherer?

Haben die Informationen dort einen besseren Wahrheitsgehalt?

Ist die Qualität der angezeigten Informationen dort hochwertiger?

...oder dreht die Welt sich einfach um Google, oder umgekehrt?

Selbst wenn die Kritik an Google steigt, erhöht sich dort der Kreis der Suchenden, egal aus welchem Berufszweig sie kommen oder egal welche Begabung sie ihr eigen nennen. Google ist groß, mächtig und unübersehbar und davor haben viele Menschen Angst. Trotz dieser Angst „suchen“ sie bei Google und nehmen dabei auch andere kostenlosen Dienste in Anspruch. Der Grund: Google erkennt Trends frühzeitig und sagt Ihnen die Zukunft voraus. Andererseits fühlen sich die Menschen bei Google aber auch sicher. Sie gehören zu den Siegern, wenn sie „googlen“, sind sie besser und schneller informiert und können die gewonnenen Informationen gezielter umsetzen. Natürlich denken sie in dem Augenblick nicht darüber nach, dass sie ja auch dafür bezahlen. Wie? Mit ihrer Suchanfrage. Wer sich dann derartige Ergebnisse zu Eigen macht, ist in verstärktem Maße die Werbebranche. Denn wenn jemand weiß, was sie suchen, der kann das auch anbieten, für sie findbar machen. Und so wird das ja auch gemacht.

Aber Google soll hier nicht unser Thema sein. Auch nicht Twitter, Facebook oder andere sozialen Netzwerke, von denen die vielen Menschen Angst haben. Viele Nutzer verstehen nicht ansatzweise, was dort vor sich geht und beteiligen sich trotzdem daran. Sie nehmen daran Teil und zahlen dafür einen Preis, mit einer Währung, die sie vor einigen Jahren nicht als solche erkannt haben. Einen Preis? Ja, einen Preis! Sie zahlen mit Informationen. Was ist das schon, denken sie. Doch wenn eine Vielzahl von Informationen zusammengetragen werden, kann man daraus ein Muster erkennen. Wenn man ein Muster erkennt, kann man Verhaltensweisen steuern.

Kollektive Intelligenz oder auch Schwarmintelligenz genannt stellt sich als Phänomen dar und lässt sich eher an Taten als an Worten messen. Gemeint ist, wenn eine kleine Gruppe von Menschen in einem Fußballstadion klatscht, klatschen plötzlich die Besucher des ganzen Stadions. Wenn jemand in der Kirche mit einem Gebet oder einem Gesang beginnt, folgen die anderen Gläubigen.

Es muss nur irgendjemand damit anfangen, der Rest folgt dann automatisch.

Wenn ihnen an jeder Ecke mitgeteilt wird, dass Google die richtigen Daten liefert, so wird ihnen damit klargemacht, dass das auch der Wahrheit entspricht, was ihnen letztlich als Ergebnis präsentiert wird. Die vielen Nutzer bestätigen diese Annahme als richtig, eben auf Basis kollektiver Intelligenz (96 %). Schwarmartig verhalten sie sich. Ob das tatsächlich stimmt oder nicht stimmt und ungehindert der Tatsache, wie sich die Daten von Google in der richtigen Welt interpretieren lassen. Man denkt für sie und sie lassen Denken, sie googeln!

Warum nutzen sie Facebook? Weil alle es tun!

Warum nutzen sie Twitter? Weil alle es tun!

Und so weiter und so fort!

Die Grundaussage ist „Weil alle es tun!“ Dieses Verhalten finden sie an jeder virtuellen Straßenecke, auch an den real vorhandenen Ecken, gemeint sind Geschäfte, Börsen und Banken.

Wenn andere etwas machen, was ich – wäre ich alleine – nicht machen würde, und es jetzt aber trotzdem mache, eben weil die anderen es auch tun, dann fühle ich mich sicher, gefragt, up to date, dem Zeitgeist entsprechend. Das kann einfach nicht verkehrt sein, sonst würden andere Menschen sich ja anders verhalten.

Bereits in unserer jahrtausendalten Entwicklungsphase haben wir uns so verhalten. Es ist also keine, in jüngster Zeit entwickelte Verhaltensweise. Bereits als wir damit begannen, auf zwei Beinen zu laufen, stellte sich heraus, dass nachzumachen, was auch andere bereits nachmachten. Lief der eine weg, rannte die gesamte Herde Menschen hinterher, aus einer Art Selbsterhaltungstrieb. Den Letzten beißen dann die Hunde. Das Mittelfeld und die Menschen, die es anführten, kamen mit dem Schrecken davon.

So kann es in der Neuzeit sein, dass viele Unternehmen Pleite gehen, nur weil einer vornweg schreit, die sind pleite. Dann setzt das große Treiben ein. Je größer das Unternehmen ist, umso mehr brodeln die Gerüchte und um so mehr Firmenanteile werden unter Preis veräußert. Ich denke hier an gewisse Banken, die während der Krise gerettet werden konnten, mehr als andere, desolate Institute. Doch die Banken, die am zahlungsunfähigsten waren, doch am lautesten schreien konnten, blieben weitgehend verschont. So schrie eine durch Konkurs verschleppte Bank: “Die Lehmans sind pleite. Doch es stellte sich heraus, dass die Lehman Bank nicht einmal ansatzweise so von der Pleite bedroht war, wie der vorgenannte Schreihals. Und dennoch nahm die Seele der Wall Street Schaden und Lehman musste abgewickelt werden.

Unfähige Börsianer, die häufig aus anderen Branchen kamen, wo man offenbar keine Aufgaben mehr für sie hatte, stellten aufgrund dieses Phänomens ihre dümmste Art der Selbstdarstellung vor. Üben in Unfähigkeit! Nachdem sie hohe Boni kassiert hatten, standen sie Tage später mit braunen Kartons auf der Strasse. So habe ich das jedenfalls noch erlebt und genossen.

Hier trifft das Sprichwort von Walter Lippmann zu:

Wo alle das Gleiche denken, denkt niemand besonders viel.

Wer bewusst am öffentlichen Leben teilnimmt, dem wird hier und da etwas auffallen, was ihn zu Reichtum und Wohlstand verhelfen kann. Ich würde ihnen da gerne eine kleine Geschichte erzählen:

Ein junger Mann, Mitte der 30-iger Jahre in New York erwarb - nach und nach - mehrere kleinere Lebensmittelgeschäfte. Bei seinen Streifzügen – auch bei der Konkurrenz – stellte er fest, dass die Kunden das Einkaufen einstellten, wenn der Einkaufskorb zu schwer wurde. Schnell war die Idee geboren, einen Einkaufswagen zu entwickeln, der vorne einen Holzstuhl hatte und dahinter zwei Metallkörbe. Er ließ diese, auf Rollen stehenden Ungetüme produzieren und stellte sie an mehreren Stellen seiner Lebensmittelläden ab. Keiner der Kunden nutzte die Gelegenheit, diese fahrbaren Einkaufshilfen zu nutzen. Erst als er auf die Idee kam, einige Kunden dafür zu bezahlen, dass sie seine Einkaufswagen nutzten, schlug die Idee ein, wie eine Bombe. Andere Kunden machten das nach! Er verbesserte die Wagen und verkaufte diese auch an Mitbewerber. Nebenher ist die Idee entstanden, an diesen Wagen vorne und an den Seiten Werbe-Aufdrucke anzubringen, was zu einem zusätzlichen Einkommen führte. Und wieder waren es Menschen – wenn auch bezahlt – die vormachen mußten, was andere nachmachen sollten.

Natürlich und das sei hier abschließend betont, verlaufen nicht alle kollektiven Verhaltensweisen so positiv, wie die vorgenannte. Es sei hier verwiesen auf einen Tatsachenbericht. Mehr als eine halbe Stunde lang attackierten Verbrecher in einer Wohnsiedlung eine Frau mit Messern und verletzten sie tödlich. Die in den Fenstern liegenden 38 Anwohner sahen zu. Die Begründung für ihr passives Verhalten formulierten sie so: Der eine Zuschauer dachte, der andere würde die Polizei rufen und der ging wiederum davon aus, dass ein anderer Zuschauer Hilfestellung leisten würde und so versuchten sich alle Anwesenden herauszureden. Aus 38 Zuschauern wurden 38 Täter (Caldini, Soziale Bewährtheit, 6. Auflage, S 173 ff).

 

05.08.2015