Wem gehört das Wasser?



Wasser hat einen Preis. Wenn du einem Produkt einen Preis gibst und wenn es sich bei dem Produkt um ein stark nachgefragtes Lebensmittel handelt, wird der Preis steigen. Es wird irgendwann nur noch von wenigen Schichten der Bevölkerung bezahlbar sein, weil es von Angebot und Nachfrage abhängig ist. Ist das gewollt? Nein, Grundnahrungsmittel sollten für alle zugänglich sein. Geht also mit dem Produkt Wasser sorgsam um.

Es gibt genug Wasser für den menschlichen Bedarf, Nicht jedoch für die menschliche Gier.   Mahatma Gandhi


Wasser ist ein Menschenrecht. Es ist für das Überleben auf der Erde notwendig. Wenn man Lebensnotwendiges zu Handelsware macht und der Zugriff darauf verweigert wird, kann es beachtliche Folgen haben. Derjenige, der über das Wasserrecht verfügt, verfügt über Macht. Das kann zur Folge haben, das einerseits die Fähigkeit einer Person oder Personengruppe, auf das Verhalten und Denken einzelner oder mehrerer Menschen einwirken kann. Es kann sogar zu einer politischen Instabilität führen.

Wir waren seit 7 Stunden unterwegs, mussten dann allerdings pausieren, da uns der Kühlwassertank geplatzt war. Bevor wir die Strasse verlassen konnten, rasten links und rechts riesige Lkws an uns vorbei. Wo sind wir hier fragte ich Ben. In irgendeinem Ort vor Maine antwortete er etwas mies gelaunt. Was ist los, bisher lief doch alles gut. Bisher sagte Ben. Ich glaube nicht, dass wir in diesem Kaff eine Werkstatt finden und wenn ja, dann ist das Glücksache, wenn wir hier für meinen Dodge den richtigen Kühler finden. Koste es, was es wolle, wir müssen weiter. Der einzige Garagenbesitzer des Ortes gab Ben seinen Privatwagen für nicht unwesentliches Geld. Ich dagegen habe für mich entschieden, auf Ben in dem Ort zu warten. Ich nahm mir in einem der kleinen, schäbig ausgestatteten Hotels ein Zimmer und versuchte die Landschaft zu erkunden.

 

Vor einem alten Holzhaus sass ein älterer Farmer auf der Veranda, die Füße am Geländer abgestützt, wie man das aus alten Filmen her kennt. Guten Tag sage ich, Tag kam die Antwort. Sie mögen wohl keine Fremden hier in ihrem Ort? Sie sind doch bestimmt wieder so einer, der hier rumschnüffeln will. Nein, unser Fahrzeug hatte eine Panne und wir hatten keine Gelegenheit weiterzufahren. Mein Freund hat sich das einzig verfügbare Fahrzeug geliehen, um Ersatzteile von einer Vertragswerkstatt zu holen.

 

Dann wurde die Verandatür aufgeschleudert, so, dass sie fast aus den Angeln fiel. Eine wesentlich jüngere Frau, womöglich die Tochter, betrat die Veranda. Wieder so ein Schnüffler fragte sie den älteren Herrn!

 

Jetzt wurde es mir zu bunt. Wollen sie mich beleidigen? Ich bin Gast dieses Ortes. Werden Gäste bei Ihnen so aufgenommen? Was soll das mit dem Schnüffler? Wer schnüffelt und warum?

 

Es war heiß, sehr heiß. Das Thermostat hatte mehr als 30 °C angezeigt, wobei ich den Eindruck hatte, es sind gefühlte 40 °C. Der Boden staubtrocken, rechts und links von der Sonne verbrannte Felder, eine trostlose Einöde. Auf meiner Haut befand sich ein Schweißfilm, die dünne Kleidung klebte mir am Körper. Den Hut, den ich trug hatte ich von dem alten Mann als Sonnenschutz bekommen.

Hier für dich hatte er gesagt und meinte es wohlwollend.

Die Sonne versteckte sich hinter einigen großen Wolken, bevor sie sich immer weiter verabschiedete. In weiter Ferne hörte ich das Getöse von groben Geräuschen, die Strasse vibrierte. Jetzt war es gleich ganz dunkel. Wie aus dem Nichts leuchteten kleine Laternen auf und störten den Frieden ungemein. Die Luft war dick und wellig. Wellige Schwaden, so wie sie auf Flugplätzen zu sehen sind, wenn es sehr heiß ist, und die Flugzeuge noch ein Übriges tun, der schon strapazierten Luft den Garaus zu machen.

 

Das Getöse kam immer näher, die Scheinwerfer blendeten. Keines der herannahenden Fahrzeuge verringerte seine Geschwindigkeit. Es waren verschiedenfarbige LKW-Zugmaschinen mit riesigen Tanklastanhängern.

 

Der alte Mann sprang von der Veranda als die Fahrzeuge vorbei waren und rannte hinter ihnen her, obwohl ihm die Kraft dazu fehlte.

Lassen sie ihn, sagte die Frau zu mir. Das macht er jeden Abend, wenn die schweren Maschinen hier vorbeidonnern.

 

Verbrecher, Gesindel, Wasserräuber rief er ihnen hinterher und schleuderte einen Stein in Richtung der Fahrzeuge, die er eh nicht mehr erreichen konnte. Der alte Mann machte keine Anstalten sich zu beruhigen vielmehr schimpfte er immer weiter, war nicht in der Lage, sich zu mäßigen.

Seit Generationen haben meine Vorfahren schon diese Ländereien und von Jahr zu Jahr gehen sie mehr kaputt, weil das Grundwasser fehlt.

Ich kaufte an der Tankstelle, wo Ben seinen Dodge abgestellt hatte 3 kalte Budweiser und gab dem alten Mann und seiner Tochter, je eine Flasche.

Was wollen sie überhaupt hier, fragte mich die Frau. Ich bin Journalist und fahre durch das Land um hier und da Geschichten wie diese aufzufangen und diese dann niederzuschreiben.

 

Dann fangen sie mal gleich damit an sagt der Mann. Die Frau nickte zustimmend. Ich holte meinen Rekorder heraus und stellte diesen auf Aufnahme. Ist doch ok für sie, fragte ich beide. Was ist das sagte die Frau. Es ist ein Stimmenrekorder. Man macht heutzutage damit Interviews.

 

Der ältere Herr misstraute dem Gerät und sagte dann, ich dachte sie schreiben sich das auf.

Später schreibe ich das ab, wenn ich alle Fakten beisammen habe.

 

Erst einmal ließ ich die beiden erzählen.

 

Ich sage ihnen jetzt hier und heute, dass im Jahre 2030 etwa dreiviertel der Menschheit nicht mehr über sauberes Trinkwasser verfügen wird. Ich meine damit jeden, egal wo er lebt und wohnt. Die gute Wasserqualität, die wir hier haben - er spricht von Maine - wird als Handelsware ausgeschlachtet. Wenn also Wasser zu Handelsware wird, bekommt es somit auch einen Preis. Der wird erst einmal sehr gering sein aber später, wenn Angebot und Nachfrage über den Preis bestimmen wird diese Handelsware eine Macht darstellen. Es verleiht denen, die damit handeln eine unternehmerische Kontrolle über das gesamte Trinkwasser. Menschen geraten in Abhängigkeiten. Das bereits heute in Plastikflaschen abgefüllte Wasser ist teurer als Benzin und es verleiht eine Vorherrschaft.

 

Vorherrschaft sage ich zweifelnd. Es ist doch nur Wasser und ihre Wälder sind grün und saftig.

 

Dann schauen sie sich den Boden an, er kann keine Nahrung mehr hervorbringen. Alles Leben, was in ihm steckte, ist verloren gegangen. Der Boden ist tot. Dafür sind die Wasserdiebe verantwortlich und die Gemeinden, die zugelassen haben, dass diese Wasserrechte vergeben werden.

 

Ich dachte, alle Oberflächengewässer, wie Seen, Bäche etc. gehören zum öffentlichen Treuhandvermögen. Das stimmt und trotzdem kommen die großen Konzerne in die ländlichen Gemeinden und fördern dort Wasser.

Grundwasser unterliegt in den USA je nach Staat anderen Regeln.

Einer der größten wasserfördernden und wasserproduzierenden Unternehmen fördern bereits Grundwasser aufgrund einer gültigen Konzession, noch bevor andere, kleinere Förderunternehmen überhaupt die Information dazu bekommen, geschweige denn eine Konzession.

Ich wüsste nicht, dass die großen Unternehmen jemanden danach gefragt haben, ob sie Wasser fördern dürfen. Sie haben einfach die unterirdischen Quellen angezapft und abgepumpt. Hinter dem Rücken der Leute kauften Sie Land, wo man ihnen schon zu verstehen gab, da gibt es Wasser. Verstehst du, sie nehmen einfach das Wasser als gehöre es keinem.

Es gehört der Allgemeinheit, der Menschheit.

Die Anwohner protestieren ohne Erfolg. Hier und da wird mal eine Gemeindesitzung einberufen. Menschen melden sich, bringen ihren Unmut zum Ausdruck aber erreichen bei den Stadtverwaltungen gar nichts. Alles kommt einem vor wie eine verschworene Gemeinschaft.

 

Entschuldigen Sie bitte noch einmal meine Nachfrage, hake ich nach. Kommt ihnen das nur so vor und auch den anderen Menschen hier im Ort oder ist es ein nachgewiesener Fakt, dass hier ein Ressourcendiebstahl stattfindet.

 

Das passiert doch überall auf der Welt sagt er mir, ohne direkt meine Frage zu beantworten. Es mag ihm unangenehm sein, keine Antwort zu haben, denn letztendlich konnte er sich gegenüber den Leuten die die Schule besucht hatten nie richtig ausdrücken. Aber die, die die Schule nicht besucht haben, waren in der Mehrheit. Sie musten schon in jungen Jahren auf den Feldern schwer arbeiten, während besser verdienende Familien Bildung erwarben. Aus dieser Mischung des Nichtwissens, Minderwertigkeitskomplexe, immer nur ein Verlierer gewesen zu sein, scheint dieser Widerstand herzurühren. Jetzt wo man ihnen die Bildung vorenthielt, wollte man ihnen auch noch das Wasser nehmen.

 

Wieder donnern 6 große Tangwagen an uns vorbei und wirbeln eine Menge trockener Erde auf. Als die sich legt stellen wir fest, dass sich zwischenzeitlich 16 Personen unserer Gruppe angeschlossen haben. Sie haben Redebedarf, wollen etwas loswerden, was sie belastet. Die Stadt bekommt pro Gallone 6 bis 11 Cent, verkauft wird diese Gallone allerdings für 6 USD. So etwas geschieht auf der ganzen Welt durch diese Wasserbarone. Ein anderer schlägt eine Besteuerung des Quellwassers vor. Er denkt da an 1 Cent pro Gallone, das sind gerade mal 3,8 l. Während sich die Beteiligten hier die Köpfe heißreden, haben die Wasserbarone schon längst gehandelt.

 

Warum soll das Öko-System einer ganzen Stadt ausgelaugt werden, damit die Menschen aus Wasserflaschen trinken können?

 

Die Fragen des Klimawandels ergeben neue Nahrung. Das Wasser wird in den nächsten Jahren zurückgehen.

Wem gehört das Wasser?

Wem gehört die Quelle?

Wer kontrolliert das Wasser oder besser gefragt, wer hat über die Wasserrechte die Kontrolle?

Keine Antwort!

Woher bekomme ich in Zukunft mein Trinkwasser?

Wird es immer da sein?

Gab es Überlegungen? Haben sie eine Strategie?

Es geht um Kontrollverlust!

Während einer Gemeindeversammlung sagt mir ein Teilnehmer, es wird uns noch einmal leidtun, dass wir die Kontrolle aus der Hand gegeben haben. Die heimische Wirtschaft von Maine hat über Generationen sehr viel Geld und Arbeit aufgewandt um das Wasser nachhaltig sauber zu halten. Es ist einfach schrecklich, dass uns nun das Wasser so weggenommen wird. Das ist einfach schrecklich, es gehört den Menschen. Was sollen wir unseren Kindern sagen, wenn die uns fragen, was habt ihr gegen Wasserdiebstahl und den Verfall des Landes gemacht?

Die Menschen gelten hier offenbar als zweitrangig und stehen hinter den wirtschaftlichen Interessen zurück.

Die Wasserbarone scheinen eine bessere Lobby zu haben als die Bevölkerung. Eins ist allerdings sicher, sie haben die besseren Anwälte. Nicht selten werden Präzedenzfälle zur Klärung derartiger Streitigkeiten herbeigeführt.

Wo man es einmal mit einer Rechtsklarheit zu tun hat, da werden weitere Wasserbarone nachziehen.

In Kalifornien, so hörte man einen Richter urteilen, wurde das Wasserabkommen mit einem der Wasserbarone verworfen.

Der Grund ist denkbar einfach und menschlich.

Wasser ist ein Menschenrecht. Es ist für das Überleben auf der Erde notwendig. Wenn man Lebensnotwendiges zu Handelsware macht und der Zugriff darauf verweigert wird, kann es beachtliche Folgen haben. Derjenige, der über das Wasserrecht verfügt, verfügt über Macht. Das kann zur Folge haben, das einerseits die Fähigkeit einer Person oder Personengruppe, auf das Verhalten und Denken einzelner oder mehrerer Menschen einwirken kann. Es kann sogar zu einer politischen Instabilität führen.

Es sei noch erwähnt, dass zwischen Förderung des Wassers und Verkauf eine Marge des 1.900-fachen liegt und wir sprechen von Leitungswasser.

Die Weltbank bezifferte den Wert des Weltwassermarktes auf 800 Milliarden USD.

35 Staaten sind von einer Dürre betroffen.

Natürlich stellt sich hier auch die Frage nach der Schaffung von Arbeitskräften, angefangen bei den LKW-Fahrern, den Abfüll- und Aufbereitungsanlagen usw.

Immer hat man bei diesen Ressourcen erwartet, dass diese im Übermaß vorhanden sind. Sie sehen grüne Wiesen und grüne Bäume und halten alles für von Gott geschenkt.

Doch die Zeit ist vorbei, die Uhr ist abgelaufen. Dürre, strenge Auflagen für die Bürger, Rasen sprengen verboten, Auto waschen verboten etc.

Und trotz dieser doch sehr sparsamen Zeiten kommt immer ein Winkeladvokat, der auf der Grundlage vorheriger Präzedenzfälle ein anderes Wasserloch anbuddeln kann, Fischbestände reduziert und Wasser verschmutzt.

Wenn man von dem Gewinn etwas den Gemeinden, Sozialverbänden oder direkt den Geschädigten etwas zurückgeben würde. Das wäre dann zwar auch kein gutes Geschäft aber man könnte die Allgemeinheit in diesen Prozess mit einbeziehen. Dem Profitstreben muss hier ein Ende gesetzt werden. Man beutet die Wasserreservoire aus und zieht dann, nachdem sie leer sind weiter.

Wasser ist eine Ressource, die wir schnell verlieren können. Umso wichtiger ist es daher, dass wir nachhaltig damit umzugehen wissen. Es darf einfach nicht mehr davon ausgegeben werden als sich innerhalb eines gewissen Zeitraumes regenerieren kann.